Montag, 12. Januar 2015

Über ein bioveganes Landwirtschaftsprojekt, den bioveganen Garten und wie das alles zu einer Buchidee führte.


SoLawi

Es ist schon ein Weilchen her, denn es war im Juni 2013, als wir zu dritt (zwei Freunde und ich ) die Gärtnerei Wildwuchs in Leveste bei Hannover besuchten.Vorher hatte ich mit der Gärtnerin Meike Wessel- die das ganze mit ihrem Bruder Arne zusammen ins Leben gerufen hat-  telefoniert, und sie hat uns spontan eingeladen. Es wurde ein total schöner und spannender Nachmittag!

Bio vegane Solawi
Es wird in Vier -Felder Wirtschaft angebaut-so wird die Fruchtfolge beachtet -ideal für den Boden!


SoLawi  ist die Abkürzung für solidarische Landwirtschaft. Anhand des Originaltextes der Webseite kann man sich am Besten vorstellen, wie so etwas funktioniert:
 "Wir sind eine Gruppe von ca. 170 "Gemüsefreunden", die sich in einer Verbraucher-Erzeugergemeinschaft mit der Gärtnerei Wildwuchs Gbr verbunden haben. Wir finanzieren gemeinsam die Anbaukosten für das laufende Jahr mit unserem monatlichen Beitrag und teilen uns dazu im Gegenzug das leckere Gemüse. 2015 liegt der monatliche Richtwert für einen ganzen Anteil bei 88,00 Euro; solidarisch zahlt jeder was er kann- mehr oder auch weniger. Das Obst und Gemüse wird durch die MitgärtnerInnen wöchentlich an Depots ausgeliefert, oder kann einmal die Woche direkt vom Hof abgeholt werden.
Der Anteil ist abhängig vom saisonalen Angebot und natürlich auch vom Ernteerfolg.

Mitarbeit ist gern gesehen und in manchen Bereichen auch unabdingbar. Bereiche, in denen man sich einbringen kann, wären bspw.: Hilfe bei der Ernte, Gartenarbeit, Stand auf einer Veranstaltung, Depotverwaltung, Gemüseverteilung, Öffentlichkeitsarbeit, Homepage, Newsletter, Heckenpflanzung, Gemüseeinlagerung und andere.
Alle MitgärtnerInnen haben ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Gemüsekulturen."  http://www.solawi-wildwuchs.de/

Dies funktioniert seit 2011 erfolgreich, ungefähr 40 verschiedene Kulturen werden dort seit Beginn biovegan angebaut. Schön ist es, dass jeder mitentscheiden, -säen und -pflanzen kann! Solidarisch heißt auch, dass jede/r vorab die Höhe seines Beitrag selbst anonym bieten kann, ganz davon abhängig, wieviel er dazu geben möchte, bzw. wie es ihm finanziell zurzeit möglich ist. Mir wurde erzählt, das gemeinsame Ernten und Pflanzen, sowie die Versammlungen würden viele der Teilnehmer sehr schätzen. Es ist ja auch so: ob im eigenen Garten, auf dem Balkon oder der Fensterbank- für die meisten Menschen ist es ein eindrucksvolles und schönes Erlebnis, Pflanzen zu säen und wachsen zu sehen. 
Es gibt schon einige SoLawi in Deutschland, die ähnlich funktionieren , was das Teilen und wirtschaften aus einem Topf angeht.Sie bauen nach unterschiedlichen Prinzipien an, meistens  natürlich ökologisch, aber vegan sind bis jetzt nur einige, zum Beispiel " Der Hummel ev" bei Hamburg und "allvepro" im Allgäu.Was für ein Glück für mich als Veganerin , dass eine davon -eben die Gärtnerei Wildwuchs- bei mir in der Nähe ist!

Radhacke für die schonende Beikrautentfernung

Radhacke im Einsatz




veganer garten
Blühstreifen bieten einen Lebensraum und sorgen für das biolgische Gleichgewicht
In der Gärtnerei Wildwuchs wird mit Ackerbohnenschrot gedüngt, welches ich in meinem Garten auch statt Hornspäne verwende. Für die Bodenfruchtbarkeit wird ausserdem mit Pflanzenkompost, Mulchschichten, dem Beachten der Fruchtfolge und der Mischkultur sowie dem Säen einer Gründüngung gesorgt. Und genau diese sanften Methoden setzt man übrigens im bioveganen Garten ebenso ein! Es war beeindruckend, die langen Reihen mit Gemüse zu sehen, erntereifen Salat, Mairübchen, rote Bete, dazu der blaue Himmel über dem Calenberger Land und ein weiter Blick über die Felder.

Ein Kulturvlies schützt ganz  ohne Gift

Wir sahen uns überall um und spazierten die Reihen entlang. Die Rote Bete- und Mangold Pflanzen glänzten rotgrün im Sonnenlicht. Ich war voller Fragen, die mir der nette Gärtner Arne beantwortete. Sehr gut gefiel mir, dass er so verständlich darüber sprach und mir so vermittelte, dass bioveganes Gärtnern keine "Geheimwissenschaft" ist, die nur besonders Eingeweihte oder Profis können, sondern etwas, dass ich als Laie auch zu Hause in meinem Garten hinkriege  und gleich ausprobieren  kann. Das motivierte mich wirklich sehr !
Und auch der-rein pflanzenbasierte- Kompost sah genauso aus wie bei mir, nur natürlich "etwas" umfangreicher.:-)


vegane solidarische Landwirtschaft
Das Gemüse können die MitgärtnerInnen auswählen

Felder der Solawi

Hofladen der Solawi











Am Ende fragten wir Arne, ob er das alles in Zukunft vergrößern wolle, damit das Projekt noch mehr Land bewirtschaften könne. Seine Antwort darauf war: "Ja, etwas mehr Land wäre schon okay, aber am meisten wünsche ich mir, dass möglichst viele Leute überall so etwas aufziehen." Ich halte genau diese Einstellung und diese Art der Landwirtschaft für wirklich nachhaltig und fair. Denn dabei geht es nicht um die Anhäufung von Besitz, es werden weder Menschen noch Tiere ausgebeutet und zudem wird auch der Boden schonend behandelt!
Anschliessend, als wir in dem kleinen Hofladen standen, dachte ich: "Klar, flächendeckend Menschen mit biovegan angebautem Gemüse zu ernähren, ist noch eine Zukunftsvision. Aber es ist doch wunderbar, wenn Leute einfach damit anfangen und dadurch zeigen, dass diese tierleidfreie Methode funktioniert!" Übrigens haben die MacherInnen vom allvepro im Allgäu (s.o.) 2014 bei der Gärtnerei Wildwuchs mitgearbeitet, um Erfahrungswerte für ihr Projekt zu sammeln.
Ein Tipp: Es gibt ausserdem das Biologisch-Vegane Netzwerk (BVN), dort kann man sich sehr gut zum Thema bioveganer Anbau informieren und austauschen.



Und im eigenen Garten funktioniert die biovegane Anbauweise wunderbar!

Hier als "Beweis" ein Erntebild von September 2013, also aus meinem dritten Gartenjahr:

Gemüseernte aus meinem eigenen bioveganen Garten


Buch über den bioveganen Garten

"Das macht Schule" heißt es doch so schön und das passt zum Thema biovegan Gärtnern! Ich bin nämlich echt  in meinem Garten "zur Schule gegangen" und habe in den letzten vier Gartenjahren vieles gelernt -einfach nur durch das Ausprobieren!
Die gute Nachricht: Man braucht keine tierischen Stoffe wie Blutmehl, Haarpellets oder Fischmehl usw., um ertragreich zu gärtnern.
Diese Stoffe sind leider in so gut wie allen gekauften Düngern und vorgedüngten Pflanzenerden enthalten, da sie nicht deklariert werden müssen und billig sind! Die Tiere zahlen aber mit ihrem Leben dafür! Auch Hornspäne sind unnötig, denn Ackerbohnenschrot oder Brennnesselblätter funktionieren genauso gut als Stickstofflieferant.
Aus diesen Erfahrungen als gärtnernde Veganerin :-)  habe ich später als Gartenfee beim Bund für vegane Lebensweise Blogbeiträge und nun ein bioveganes Gartenbuch geschrieben. Ich habe viele Tipps zusammen getragen, auch für Stadtgärtner, Gemeinschaftsprojekte und Balkongärtner.
Etwa, wie man aus Pflanzen Dünger und Pflanzenstärkungsmittel macht, wie ohne viel Aufwand Lebensräume für Tiere im Garten geschaffen und wie zum Beispiel Schnecken ganz friedlich vom Gemüse fern gehalten werden. Es gibt einen bioveganen Arbeitskalender durch das ganze Gartenjahr, wundervolle Begegnungen mit Tieren im Garten  und eine Geschichte. Das Buch erscheint im Februar 2015 beim BLV Verlag.https://www.buch7.de/store/product_details/1023104257
Es heißt :-peaceful gardening-
Biovegan Gärtnern- Das Praxisbuch


und ich hoffe so, dass es Interessierten und/oder veganen GärtnerInnen gefallen und anregen wird! :-)



Kommentare:

  1. Hallo Susanne,
    oh da bin ich ja schon gespannt auf dein Buch!
    Das sind ja eigentlich gleich zwei Blogartikel (Solawi Wildwuchs und dein Buch).
    Ich freu mich sowohl dein Buch zu lesen, als auch mal bei Wildwuchs als Quelle deiner Inspiration reinzuschnuppern. Vielleicht ergibt es sich ja, dass wir mal zusammen einen Ausflug dorthin machen ...
    Liebe Grüße
    Silke
    P.S. Ich habe mal an den Buchhandel geschrieben, dass sie den Html-Quellcode aus der Autoreninfo nehmen sollen -

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    1. Hallo Silke, das fände ich auch total klasse , wenn wir zusammen mal bei Wildwuchs reinschauen würden! Danke, Buch 7 hat ja gleich reagiert! :-) Liebe Grüße zurück, Susanne

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  2. Hach, so schöne Fotos. Da freu ich mich schon auf den Sommer wenn es wieder frisches Gemüse gibt.
    Und schön, dass Du Buch 7 verlinkt hast, da die 75% der Gewinne für soziale, kulturelle und ökologische Projekte spenden. Und bei jeder Bestellung darf man auch ein Projekt vorschlagen. Einfach ne super Idee und passt auch irgendwie zum Thema Solidarische Landwirtschaft.

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  3. Toll, , ich freu mich auch schon wieder auf den Garten im Sommer..obwohl ja jetzt gerade der Winter noch mal zurück kommen soll..Ja, Buch 7 ist ne geniale Sache, passt auch zum Buch ganz gut, weil es um einen sehr freundlichen Garten geht..:-)

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  4. sehr interessant und informativ, dein Blog liebe Susanne.
    Ich habe vor kurzem eine Sendung über ein Projekt dieser Art im TV gesehen, weiß nur nicht mehr von wem!
    Freu mich auf dein Buch, bin sehr gespannt!
    liebe Grüße Ela oder die Fritzi (FB)

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  5. Hallo liebe Fritzi, danke...oh bin auch echt gespannt, ob dir das Buch gefällt! Wir können uns ja dieses (Garten) jahr wieder austauschen, wie unser Gemüse wächst , und wie wir uns als SchneckenflüsterInnen machen! :-) Liebe Grüße,
    Susanne

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